Weihnacht

Sel'ge Stunde! Frohe Kunde hat der Engel uns gebracht!

Auf und nieder klingen Lieder durch die heilig stille Nacht.

Aus der Ferne winken Sterne uns nach Betlehem hinab.

Lasst uns sehen, was geschehen, gürtet euch und greift zum Stab!

Eingetreten , lasst uns beten, wo mit Gnade Gottes uns krönt in dem Einen,

sündlos Reinen, der die Welt mit ihm versöhnt.   (Julius Sturm)


Weihnachten

Markt und Straßen steh'n verlassen, still erleuchtet jedes Haus,

sinnend geh' ich durch die Gassen, alles sieht verlassen aus.

An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt,

tausend Kinder steh'n und schauen, sind so wunderstill beglückt.

Und ich wand're aus den Mauern bis hinaus ins weite Feld,

hehres Glänzen, heil'ges Schauern! Wei so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit

steigt's wie wundersames Singen - o du gnadenreiche Zeit.

von Josef von Eichendorff


Wenn's schneit

Wenn's schneit, wenn's schneit, ist Weihnacht nicht  mehr weit.

Dann geht der alte Nikolaus mit seinem Sack von Haus zu Haus.

Wenn's schneit, wenn's schneit, ist Weihnacht nicht mehr weit.

Dann kann man durch die Straßen geh'n und all die schönen Sachen seh'n.

Wenn's schneit, wenn's schneit, ist Weihnacht nicht mehr weit.

Dann riecht es, ach, so wundersam, nach Äpfel und nach Marzipan. (Volkslied)


Winternacht

Der Winter ist gekommen und hat hinweggenommen der Erde grünes Kleid,

Schnee liegt auf Blütenkeimen, kein Blatt ist auf den Bäumen, 

erstarrt die Flüsse weit und breit.

Da schallen plötzlich Klänge und frohe Festgesänge hell durch die Windernacht;

in Hütten und Palästen ist rings in grünen Ästen ein bunter Frühling aufgemacht.

Wie gern doch seh' ich glänzen mit all den reichen Kränzen den grünen Weihnachsbaum;

dazu der Kinderlein Mienen, vom Licht und Lust beschieden; wohl schönre Freude gibt es kaum.   (Volksweise)


Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte, ein midler Stern herniederlacht;

vom Tannenwalde steigen Düfte, und hauchen durch die Winterlüfte,

und kerzenhelle Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken, das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich hörte ferner Krichenglocken mich lieblich heimatlich verlocken, in märchenstille Herzlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wider, anbetend, staunend mus ich steh'n, es sinkt auf meine Augenlieder,

ein goldner Kindertraum hernieder, ich fühl's, ein Wunder ist gescheh'n. (Theodorm Storm)


Die lustige Weihnacht

Heute tanzen alle Sterne, und der Mond ist blank geputz. Petrus in der Himmelsferne hat sich seinen Bart gestutzt.

Überall erklingt Geläute, fröhlich schmückt sich groß und klein, und die Heiligen tragen heute ihren Sonntags-Heilgenschein.

Es ertönen tausend Flöten, tausend Kerzen geben Glanz. Und die würdigen Komenten wedeln lustig mit dem Schwanz.

Hinter Zaun im Paradiese, gar nicht weit vom Himmelstor, musiziert auf einer Wiese auch der Engelskinderchor.

Ihre roten Tröpfelnasen putzen sich die Kleine schnell, und dann singen sie und blasen auf Fanfaren, silberhell.

Jedes Jahr um diese Stunde singen sie nach altem Brauch. Aller Sterne in der Runde lauschen -  und die Menschen auch.

Manchmal aber, leise, leise, wird der Chor der Engel stumm, und im ganzen Erdenkreise geht ein sanftes Flüstern um.

Dann erscheinen sieben Schimmel. Zärtlich ruft es: "Hüh und hott!" Und gemächlich durch den Himmel fährt daher der liebe Gott.

Da verstummen aller Lieder, und die Engel machen fix mit gefaltetem Gefieder vor dem Herrgott einen Knicks.

Alle goldenen Sternenherden drehen sich still dazu im Tanz. Und im Himmel wie auf Erden leuchtet Weihnachtskerzenglanz!  (James Krüss)

Auf des Weihnachtsmanns Spuren

In tiefer Nacht als niemand wacht, ging durch den Tann der Weihnachtsmann.

Sein Sack hng schwer vom Rücken her und schleift im Schnee, ganz deutlich seh ich seine Spur, Folgt mir nur!

Hier an diesem Dornenbusch ging er eine Strecke, deutlich seh ich's, glaubt ihr's nicht?

Folgt mir um die Ecke! Aber sacht, kein Geräusch gemacht!

Hier an diesem Dornenbusch blieb der Sack ihm hängen, und er musste mühsam sich durch das Dickicht zwängen!

Hier an diesem Dornenbusch ist sein zerrissen! Aus dem Sack klick, klick, klack! Tröpfelt es von Nüssen!-

Eichhörnchen hat vom Tannenzweig das Unglück schon gesehen, doch warnt' es nicht den Weihnachtsmann, es läßt ihn weitergehen.

Es schlägt den Schwanz zum Kringel, der kleine braune Schlingel, und klettert flink und munter vom Tannenbaum herunter.

Nun sitzt er dort im guter Ruh' am Weihnachtstisch, seh ihm nur zu, knackt Nüsse sehr bedächtig. Ihr seht es geht im prächtig!

...Vergnügten Gesichts tat der Alte, als merkte er nichts, dacht an Kinder und frohe Gesichter,

dachte an Spielzeug und Weihnachtsbaumlichter, ging indessen zum Walde hinaus. -

Immer näher an unser Haus führte ganz deutlich seine Spur, Denkt euch nur! -

"Mutter, Mutter, wir haben's gesehen, denk doch, des Weihnachstmanns Spuren gehen deutlich bis vor unsere Tür! Mutter, war er vielleicht schon hier?"

Spricht die Mutter:" Denkt doch mal an, eben war bei mir der Weihnachtsmann! Plötzlich hört ich ein starkes Klopfen, öffnete selbst, da trat er ein, bat mich, ich möchte den Sach ihm stopfen,

denkt doch, ihm riß ein Loch hinein!

Und da hat er mir vieles erzählt, wie ihm dies und jenes gefehlt. Aber der Sack war doch noch sehr voll, hat auch gefragt, was er hierlassen soll?

Sachte, Kinder, hübsch artig immer! Und geht mir nicht an das Weihnachtszimmer!"

ein Gedicht von Paul Kaestner